IT-Schnittstellen in Banken und Finanzinstituten stehen unter besonderer Beobachtung der Bankenaufsicht. Den hohen Stellenwert von Schnittstellen als Berührungspunkte verschiedener Softwaresysteme in der Banken-IT zeigt nicht nur die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin Daten-Schnittstellen explizit der kritischen Infrastruktur der Banken-IT zuordnet. Die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Regulierung von Zahlungsdiensten und Zahlungsdienstleistern (Payment Services Directive 2, PSD2) hat in den vergangenen Monaten einmal mehr in der Praxis gezeigt, welch hohe Anforderungen an das Schnittstellenmanagement gestellt werden.

Standardisierte Prozesse als Besonderheit von SAP-Schnittstellen

Ein IT-System ist kein starres Gebilde. Es wächst und ändert sich permanent, weil ständig neue Daten oder neue Software integriert bzw. angeschlossen werden müssen. Häufig erfordern neue regulatorische Vorschriften eine Überarbeitung der aktuell bestehenden Strukturen. Dabei treffen verschiedene Systeme und Strukturen aufeinander. Schnittstellen bilden hier die Transferpunkte, die notwendig sind, um verschiedene Funktionsbereiche, Sparten, Projekte, Personen oder Unternehmen in einen Arbeitsprozess einzubeziehen. Sie sind die digitalen Stellwerke im Datennetz. Eine SAP-Schnittstelle verbindet verschiedene Bereiche eines SAP-Systems miteinander, dient aber auch als Verbindungspunkt für fremde Komponenten, die in die SAP-Architektur eingebunden werden sollen, wenn ein System nicht auf der SAP-Technologie basiert.

Qualitätschecks am Eingangstor

Die Besonderheit der SAP-Schnittstelle liegt dabei in ihrer Fähigkeit, Daten und Prozesse zu standardisieren. Sie überträgt und integriert fremde Systeme nicht nur, sondern unterzieht sie gleichzeitig einer umfassenden Qualitätsprüfung. Wie ein Wächter vor einem Tor identifizieren SAP-Schnittstellen fehlerhafte Datensätze und sortieren sie aus. Mehr noch: Sie liefern gleichzeitig die Information, wie die Daten aufbereitet sein müssen, um in die standardisierten SAP-Systeme zu passen. So ist bei jedem Datentransfer ein Qualitätscheck inbegriffen. Systeme, die nicht mit rechtlichen Vorgaben übereinstimmen, beispielsweise der Datenschutzgrundverordnung der EU (DSGVO) oder den Buchhaltungsstandards des Handelsgesetzbuchs (HGB) oder des International Financial Reporting Standards (IFRS), werden erkannt und finden keinen Eingang in das SAP-System.
Das erhöht die Qualität der gesamten Bank-IT und bringt dementsprechend Nutzen für die Geschäftstätigkeit des Finanzinstituts.

Anforderungen an das Schnittstellenmanagement von SAP

SAP Schnittstellenmanagement © sdecoret / shutterstock.com

Was man beim Schnittstellenmanagement beachten muss

SAP bietet vielfältige Möglichkeiten, solche Schnittstellen zu externen Systemen einzurichten – Standard-Schnittstellen, aber auch ganz individuelle Lösungen. Welche Variante Sie auch immer nutzen – folgende Punkte sollten Sie beim Schnittstellenmanagement beachten:

  • SAP-Schnittstellen sollten nicht nur als Teil der Banken-IT-betrachtet werden, sondern als relevanter Bestandteil der kritischen Infrastruktur innerhalb des Informationsverbundes unter besonderer Beobachtung stehen. Die Banken-IT muss stets einen aktuellen Überblick über die Bestandteile des festgelegten Informationsverbunds sowie deren Abhängigkeiten und Schnittstellen haben.
  • Bei der Einrichtung der SAP-Schnittstellen müssen Ziele und Geschäftsmodell klar definiert sein. Fragen Sie sich: Was wollen Sie mit der Anbindung der Daten erreichen?
  • Der Sicherheit der SAP-Schnittstellen gebührt oberste Priorität. Schließlich stellen sie die Verbindung zu fremden Datensystemen her. Das ständige Monitoring ist notwendig, damit sie nicht zum Einfallstor für Angriffe auf das gesamte IT-System werden können.
  • Achten Sie auf eine hohe Transparenz des IT-Systems. Dokumentieren Sie alle SAP-Schnittstellen, indem sämtliche Verbindungen automatisch inventarisiert und visualisiert werden.
  • Bilden Sie funkionsübergreifende Teams zur Einrichtung von SAP-Schnittstellen. Nicht nur die IT-Abteilungen der Bank, auch die Fachabteilungen, die mit den neuen Daten oder der neuen Software arbeiten werden, sollten in die Migration von Daten eingebunden sein. Wichtige Partner sind hierbei externe Berater, die Erfahrungen in der Einrichtung von SAP-Schnittstellen haben und über entsprechendes IT-Wissen verfügen, die regulatorischen Anforderungen an die Banken-IT kennen und entsprechendes Fachwissen mitbringen.
  • Planen Sie ausreichend Zeit für die Einrichtung von SAP-Schnittstellen ein. In der Regel wird der Aufwand der Migration von Daten unterschätzt – wie die Umsetzung der EU-Richtlinie PSD2 zeigt. Diese Verordnung trat im September vergangenen Jahres in Kraft. Mit ihr soll für Nichtbanken, vor allem für FinTechs, die Teilnahme an der Zahlungsbranche erhöht werden. Dafür müssen etablierte Banken PSD2-konforme Datenschnittstellen bereitstellen. Theoretisch hörte sich das einfach an – in der Praxis jedoch verlief der Prozess viel zäher als gedacht. Das Schnittstellenmanagement wurde zur zentralen Frage.